RAGE Europatour 2010

"Hallo Freunde, Das "Strings To A Web" Album ist nun schon fast 1 Monat auf dem Markt und hat eingeschlagen wie eine Bombe. Zeit für eine anständige Tour, bei der wir euch die Songs live präsentieren können! Zur Unterstützung des Albums haben wir eine Welttournee durch Deutschland, Ungarn, Tschechien, die Schweiz, Frankreich, Italien und Spanien sowie Russland und Japan geplant, um mit euch gemeinsam abzurocken. Wir haben jede Menge neues Songmaterial sowie ein paar alte Kracher im Koffer, die Setlist dieser Tour wurde zu 90% neu zusammengestellt und beinhaltet somit ein paar gute Überraschungen. Für die Europakonzerte haben wir 2 Bands als Support mit an Bord: Jaded Heart und die tschechische Band Seven. Außer unserer altbewährten Crew mit Gerd (Sound) und Jürgen (Light) wird uns dieses Mal Ingo (u.a. bei Blind Guardian, Kamelot u.v.m.) als neuer Mann im Stagecrew-Team begleiten. Mit ArtWorx ist auch ein neuer Merchandise-Partner dabei, der uns jede Menge coole Items für die Tour geliefert hat, die ihr bei unserer "Empress Of Merch" auf Tour oder bei unserem Webmaster Joe im Onlineshop kaufen könnt. Dienstag Abend wird im Proberaum in Hamm unsere Anlage geladen und die lange Fahrt nach München kann beginnen. Wir freuen uns auf euch.

RAGE ON!

Euer Victor"

 

03.03.10 - 1. Tourtag - München - D

München/Backstage.... Und so startete unser Bus in Richtung München, nachdem wir alles eingeladen hatten. Der Trailer war rappelvoll und uns überkam eine leichte Angst davor, dass er eventuell zu voll sein könnte, denn es waren doch eine gehörige Anzahl Merchandise-Kartons dabei. Unser Bus, der uns auf dieser Tour sicher durch Europa bringen sollte, war ein für uns neues Model der Firma Welter Reisen. Der Aufschrift "Hotelbus" konnte man allerdings nicht so recht Glauben schenken, da der Gang zwischen den Betten so eng war, dass man nicht einmal gerade dazwischen hergehen konnte, zu zweit überhaupt keine Chance hat und somit eine "Einbahnstraße" im Bus selbst entsteht! Dafür haben wir aber alle ungewöhnlich große Betten, was für den wichtigen Erholungsschlaf auf Tour schon sehr wichtig ist! Um 11 Uhr kamen wir in München an und erfuhren, dass die Jungs unserer Supportband "Jaded Heart" morgens um halb sieben erst mal einen neuen Bus brauchten, da sie eine Panne mit ihrem anderen Wagen hatten, daher stießen Jaded Heart erst recht spät zu dem Rest des Tourtrosses hinzu. Die Jungs unserer anderen Supportband "Seven" kamen nachmittags in München an und schnell stellte sich heraus, dass sowohl Jaded Heart als auch Seven sehr locker und umgänglich sind. Ich kann diese Gerüchte darüber, dass die Jaded Heart Jungs auf ihrer letzten Tour mit Primal Fear so viel Stress gemacht haben sollen, gar nicht nachvollziehen. Normalerweise dauert der Aufbau und Soundcheck bei der ersten Show auf Tour immer etwas länger, aber trotz der Verspätung von Jaded Heart und dem ganzen Stress konnten wir pünktlich den Einlass beginnen lassen.

Vor der Show waren André, Peavy und ich sehr nervös, da wir zum ersten Mal das neue Songmaterial live vor Publikum präsentieren sollten. Mit Gerd, unserem FOH Mann, probierten wir viele neue Monitorsachen aus und die Anspannung fiel, als wir bemerkten, wie unglaublich positiv die Reaktionen der Fans auf die ersten Songs des neuen Albums waren! Jeder neue Track unseres neuen Albums wurde bejubelt und mitgesungen wie ein alter Hit und bei dem neuen Bombastwerk Empty Hollow sangen unsere Fans den Refrain bereits im instrumentalen Intro mit :-) Das war für mich das absolute Gänsehaut-Feeling. Zu meiner Überraschung waren die Reaktionen auf die älteren Titel sehr zurückhaltend - viele kannten die Songs "Light Into The Darkness" und "Medicine" gar nicht, aber wahrscheinlich war das für die alten Hardcore-Fans eine richtig gute Überraschung und ich fand gut, dass wir die Songs komplett und nicht als Medley spielten. Superglücklich war ich mit meinem neuen Gitarren-Tech Ingo: Da er sich exzellent und sehr professionell um alles kümmerte, hatte ich einen ungewohnten Luxus, den ich sehr genoss. Das Konzert war super klasse und ein schöner Tourauftakt, danach war Peavy aber ziemlich platt, was auch zeigte, dass wir eine längere Spielpause hatten. Unser Merch-Stand ist toll geworden und es gibt wirklich viele verschiedene Dinge zu kaufen. Etwas ungewöhnlich für mich am Merch-Stand RAGE-Babystrampler zu sehen, aber immer mal wieder was Neues ;-) Wie es aussieht, sind wir auf dieser Tour ein super Team, alle sind nette Menschen. Seven fahren bei uns im Bus mit und Jaded Heart reisen separat. Ach ja: Peter, der schwedische Gitarrist von Jaded Heart, hatte zudem auch noch während der ersten Tourshow Geburtstag, aber viel Zeit zum Feiern blieb uns nicht, da wir bereits nach dem Load-In sofort unsere lange Fahrt ins ungarische Budapest antraten.

 

 

04.03.10 - 2. Tourtag - Budapest - H

Budapest/Diesel.... Nachdem ich knapp 12 Stunden gepennt hatte, habe ich die Budapester Diesel-Halle sozusagen gerade passend zum Soundcheck betreten. Unsere Crewjungs klagten darüber, dass die lokalen Techniker sehr langsam und überfordert wären und mehrere Sachen nicht richtig funktionierten, aber irgendwie geht es ja immer... Nach dem Soundcheck bekamen wir alle ein 8-teiliges Wahnsinns-Menü von "Angel" zubereitet - wieso kann das nur nicht immer so sein!? Da wir heute eine sehr strikte Curfew hatten, mussten wir leider ein paar Songs eliminieren, aber man merkte bei der heutigen zweiten Show schon, dass die Songs viel entspannter vom Griffbrett flutschten, als noch bei der Tourstart-Show. Man merkte auch bei André, dass er beim Spielen hin und wieder mal Zeit für ein Späßchen zwischendurch fand - übrigens hat André speziell für diese Tour ein extra in der Farbe unseres aktuellen Covers gehaltenes Reference-Drumkit von Pearl und nagelneue Z3 Zildjian Bleche bekommen (die neuen Cymbals schonen on Stage unsere Ohren, da sie nicht so laut klingen wie Andrés alte Becken - André kloppt schon ordentlich laut!).

Das Konzert an sich lief super - nur schade, dass viele Fans erst später kamen und so die ersten Bands nicht mitbekommen konnten. Ich habe eine kleine Stuntshoweinlage gemacht, bei der ich während des Solos von "Set This World On Fire" auf den PA Turm geklettert bin - aber als ich da oben stand, dachte ich mir, dass das vielleicht doch keine so gute Idee war, da der gesamte Turm ordentlich hin und her wackelte ;-) Fast alle unsere Digipacks wurden an diesem Abend verkauft, da es anscheinend in Ungarn diese CD & DVD Kombi nicht zu kaufen gibt. Später ging es mit leichten Headbanger-Nackenschmerzen in den Bus und auf nach Zlin in Tschechien.

 

 

05.03.10 - 3. Tourtag - Zlin - CZ

Zlin/Masters Of Rock Cafe.... Unsere heutige Station ist das "Masters Of Rock Café" in Zlin / Tschechien. Leider stellten wir direkt nach der Ankunft fest, dass irgendwelche Arschlöcher das Auto von Jaded Heart aufgebrochen und einen Koffer geklaut hatten. Das passiert auf Tour immer wieder, so wie damals, als ich mit Mind Odyssey Support für Savatage gemacht habe und irgendein Vollidiot den kompletten Merch von Savatage geklaut hat - und selbst mit Rage haben wir solche Fälle schon mal gehabt. Zlin ist immer eine schöne Tourstation und wir freuen uns immer, dort zu sein. George, der Initiator vom "Masters Of Rock Festival" kam uns besuchen und ich muss schon sagen, dass die gesamte Tschechische Republik George zu großem Dank verpflichtet sein muss, denn er hat viel für die Metalszene dort gemacht! Nach dem Frühstück war ich mit ihm zusammen bei einem nationalen Radiosender, um dort ein Interview zu machen und ich war sehr überrascht darüber, dass dieser Radiosender tatsächlich 24 Stunden am Tag Metalmusik sendet! Wäre toll, so etwas auch in Deutschland zu haben, z.B. beim WDR ;-) Ich war sehr glücklich darüber, zu erfahren, dass wir bei diesem Radio mit "Empty Hollow" auf Platz #3 der Radiocharts sind.

Vor der Show hatten wir backstage etwas Zeit, um im Internet zu surfen und haben ein paar lustige Reviews gefunden. Z.B. hatte irgendjemand behauptet, dass unsere Umbaupause in München knapp 1 Stunde gedauert haben soll - was aber völliger Blödsinn ist, da genau nach einer halben Stunde die ersten Töne unseres Intros zu hören waren. Und um ehrlich zu sein, bin ich sehr stolz auf unsere Crew, dass sie ein so schnelles Team sind, denn es ist schon eine gehörige Menge an Kanälen, die man checken muss. Ich glaube, es ist besser, einen 5 Minuten längeren Umbau und anschließend einen geilen Sound zu haben, statt einer kurzen Umbaupause und eines langen schlechten Konzertsounds. Aber die allerbeste Kritik hat André uns gezeigt, als ein Herr Martin Schneider für das "Rock It"-Magazin eine Konzertkritik zum Knock Out Festival geschrieben hat, wo wir im Dezember gespielt hatten: Die Show wäre absolut super gewesen, aber wir hätten doch anstatt des Schlagzeugsolos lieber noch einen weiteren Song performen sollen. (Dumm nur, dass wir überhaupt kein Schlagzeugsolo im Set hatten und eigentlich wirklich einen Song nach dem anderen runtergeprügelt haben. Wir fragen uns heute noch, bei welchem Konzert der gute Mann war!? Aber bei Festivalshows sieht man die Presseleute sowieso meist mehr an der VIP Bar anstatt vor der Bühne...)

Unser Konzert in Zlin hat uns super gefallen und speziell für die Seven-Jungs war das Heimspiel natürlich was sehr Schönes. Ich habe Honza, den Gitarristen von Seven, eingeladen, mit uns zusammen auf der Bühne den Song "Down" zu performen, was super ankam. Nach der Show stießen wir noch schnell mit einem Schluck Slivovitz auf den gelungenen Abend an und traten unseren Weg nach Prag an.

 

 

06.03.10 - 4. Tourtag - Prag - CZ

Prag/Abaton.... Die Nacht durch haben wir alle nicht wirklich gut geschlafen, weil die tschechischen Landstraßen doch sehr schlecht sind und wir im Bus ordentlich hin und her geschmissen wurden. Als ich morgens aus dem Bus kam, lag Schnee und es war fürchterlich kalt. (Bei diesem Wetterverhältnissen vermisse ich meinen EVO, um eine Runde zu driften... lol) Der Club Abaton bildete einen Kontrast zum Masters Of Rock Café des Vortags und sah mehr nach einem verlassenen Haus aus als nach einem Rock-Club. Eine Holzbühne mit Subwoofern darunter, die uns beim Soundcheck ordentlich durchgeschüttelt haben. Wir sind schon verdammt laut auf der Bühne und teilweise ist es sehr schwer, alle Feedbacks on stage unter Kontrolle zu bringen. Das war der Grund, weshalb ich aus unserer Setliste den geplanten Celloeinsatz gestrichen habe. Vom schönen Prag haben wir leider gar nichts gesehen, da bei diesem Wetter hätte Sightseeing keinen Spaß gemacht.

Als der Laden komplett mit Publikum voll war, hat dies das Image des Ladens enorm geändert und wir hatten einen Riesenspaß auf der Bühne. Das Publikum war großartig und wir haben viele Fans entdeckt, die uns von Zlin nach Prag hinterher gereist sind, und somit entschieden wir spontan, ein paar Songs im Vergleich zur Show vom Vortag in Zlin zu ändern. Aber unsere positive Stimmung nach dem Konzert änderte sich abrupt, als wir erfuhren, dass Muelli und Axel von Jaded Heart beim Ausladen ihres Equipments in einem offenen Fahrstuhl einen schrecklichen Unfall gehabt hatten. Es hatte sich ein Hardcase beim Nach-unten-Fahren so verklemmt, dass Muellis Kopf fast zerdrückt wurde! Axel wurde ebenfalls lebensgefährlich eingeklemmt, und dank der Hilfe von allen konnte den beiden schnell geholfen werden. Ich hoffe wirklich, dass die Pechsträne der Jungs endlich jetzt vorbei ist!!!

 

 

07.03.10 - 5. Tourtag - Hannover - D

Hannover/Musikzentrum... Es lag immer noch Schnee vor dem Bus, aber dank der wärmenden Sonnenstrahlen war das Klima heute viel erträglicher und das Laden der Crewjungs nicht ganz so eisig! Hannover ist ja auf dieser Tour so zu sagen unser "Heimspiel" und somit kamen jede Menge Freunde, Bekannte und auch viele unserer Hardcore-Fans vorbei, wie z.B. unser Webmaster Joe mit seiner Familie, der jahrelang schon unsere Website pflegt und unseren Onlineshop macht. Da an unserem Merchandise Stand seit dieser Tour ein Gästebuch ausliegt, in dem unsere Fans eine Message hinterlassen können (ja, wir lesen das anschließend immer im Tourbus nachts!), war es selbstverständlich, dort auch einen Eintrag von Master Stickendale vorzufinden. Dass dieses Konzert allerdings schon sein 40. (vierzigstes!!!) RAGE Konzert ist, versetzte uns alle in großes Staunen – Wahnsinn, wie doch die Zeit vergeht. Auch unsere japanische Freundin Yuki kam heute mit einem Koffer voller Geschenke an und Peavy war total begeistert von seinem Geschenk: kleine durchsichtige Fischskelette, die in kleinen Fläschchen in einem Flüssigpräparat schwammen! Das ganze Konzert in der ausverkauften Halle war ein einziges Gänsehautgefühl und unseren Fans vor der Bühne bereitete es mindestens genauso viel Spaß wie uns auf der Bühne. Mit jeder Show werden wir auf der Bühne immer sicherer und wir bekommen das Gefühl, dass sich "Empty Hollow" langsam als Publikumsliebling in diesem Set herauskristallisiert.

Auch unsere kleine Drumsolo-Einlage zu dritt macht irgendwie Spaß und an dieser Stelle ein großes Dankeschön an Beyerdynamic für diese speziellen Drum-Mikros, die unseren Drumsound noch besser werden ließen. Auch ich komme mit jedem Konzert besser mit dem Whammy - WahWah - Midi - Schaltstress beim "Saviour Of The Dead" Solo klar! Dieses Solo hat es schon echt in sich! Auf dieser Tour muss ich mich noch länger als sonst vor der Show warm spielen ;) Also so könnte doch bitte jedes unserer Konzerte sein - nicht nur für uns, sondern auch Seven und Jaded Heart sind beim Publikum sehr gut angekommen. Als alles geladen und gepackt war, machten wir uns auf den Weg nach Berlin, wo wir einen Day Off verbringen werden, bevor wir unsere Show im K17 zum Besten geben werden.

 

 

08.03.10 - 6. Tourtag - day off

Unser erster Day Off! Ich genoss das nicht fahrende Bett im Hotelzimmer, das leckere Essen beim Griechen. Außerdem haben wir uns überlegt, die Setlist für Berlin etwas zu ändern, denn wir haben in Berlin ja schon lange nicht mehr gespielt... Und da heute am 8. März der Weltfrauentag ist: CHEERS auf alle unsere weiblichen Fans!

 

09.03.10 - 7. Tourtag - Berlin - D

Berlin/K 17... Ich freue mich doch schon sehr, dass wir nach so vielen Jahren endlich mal wieder eine Show dort spielen. Viele sagen, dass Berlin keine wirklich gute Metal Szene haben soll, aber ich kann mich nur an gute Shows erinnern in Bezug auf diese Stadt, egal ob mit Helloween auf Tour oder auch mit unserer Unplugged Show im Halford bei Sven. Ich habe mich sehr gefreut, dass meine Jungs von "Mind Odyssey" uns besucht haben; wir konnten so mal wieder ein paar Bierchen zusammen trinken und bisschen quatschen. Dan hat mir die fertige CD seines "Pandea"-Projektes mitgebracht. Da wir nun schon seit Jahren keine Show mehr in Berlin gespielt hatten, entschlossen wir uns, ein paar Songs wie z.B. "Higher Than The Sky" zu spielen. Leider muss ich sagen, dass der Club K17 nicht wirklich auf die Bedürfnisse einer Band, die auf Tour ist, eingegangen ist, denn sie hatten keine Helfer vor Ort, und viele Bedingungen, die auf unserem Rider standen, wurden nicht erfüllt. Ich habe das Gefühl, dass einige Veranstalter überhaupt keinerlei Respekt für Musiker haben. Trotz allem war die Show super und viele lokale Fans erzählten uns, dass das für die sonst sehr reservierten Berliner eine Mega-Stimmung gewesen sein muss! Eine Sache, die uns allerdings genervt hat, war, dass 2 Becher Bier in Richtung Drumriser geflogen sind - wären diese Bier auf unsere Harddiskmaschine oder irgendein anderes wichtiges elektronisches Teil auf unserer Bühne gefallen, wäre die Show sofort vorbei gewesen für alle! Also bitte hört auf mit diesem Scheiss!

Auf dieser Tour probiere ich ein paar neue Prototyp-Gitarren und gerade in Berlin hat eine neue Tremolo-Konstruktion auf der Bühne den Geist aufgegeben und somit bei "Saviour Of The Dead" etwas gestört. So eine Tournee ist wirklich der beste Materialtest für Equipment! Zurzeit suchen wir auch verschiedene Frequenzen für Senderanlagen, da die jetzigen im Jahr 2015 geändert werden! Also Vorsicht beim Neukauf von Sendern - informiert euch genau! Nach dem Konzert hatte ich am Merchstand noch Gespräche mit Fans, die mir sagten, dass unsere Musik sie inspiriere und motiviert, noch mehr zu üben. Um ehrlich zu sein: Immer wenn ich genügend Kraft finde, um nach der Show vor an den Merchstand zu kommen, genieße ich die Gespräche mit unseren Fans, die sich wirklich sehr dafür interessieren, wie wir was machen usw. Danke nochmals für euren Support! Ein großes Interesse zeigten viele an dem "Into The Light" Sampler mit Hansi Kürsch, Tobias Sammet oder auch Tarja Turunen usw., von dem, wie ich glaube, viele immer noch nicht wissen, WER darauf alles mitgemacht hat. Diese Scheibe ist für mich historisch etwas Besonderes, da dies die erste CD ist, auf der die aktuelle RAGE-Besetzung zusammengearbeitet hat! Sonderbarerweise interessierten sich in Berlin sehr viele Fans für unsere Babystrampler... Züchtet Berlin Deutschlands Metalnachwuchs heran ? ;)

 

 

0.03.10 - 8. Tourtag - Hamburg - D

Hamburg/Markthalle.... Nachdem wir die 63 Treppenstufen ins Backstage der Markthalle geschafft hatten, stellten wir fest, dass es anscheinend gar nicht so einfach ist, in Hamburg Powerade-Energydrinks zu bekommen!? Dieses Zeug trinken wir gerne während der Show, um unseren Durst zu löschen... Aber beginnen wir mal von vorne. Da der Aufzug kaputt war, musste unsere Crew unseren gesamten Merch sehr weit schleppen. Ich hatte die Markthallen-Gigs viel lockerer und stressfreier in Erinnerung, aber anscheinend trifft auch manche Promoter die Wirtschaftskrise. Heute Abend hatten wir viele Gäste, u.a. Jens Becker (Grave Digger) und Markus Großkopf (Helloween) kamen uns besuchen, was uns sehr freute. Markus war wie immer sehr lustig und gut drauf und wir quatschten über die letzte Helloween-Platte, da sie ebenfalls wie RAGE 25 jähriges Bandbestehen gefeiert haben. Auch Otti vom Headbanger's Ballroom war da, der uns in seinen neuen Club direkt an der Reeperbahn eingeladen hatte.

Beim Konzert haben wir auf die üblichen Absperrungen vor der Bühne verzichtet, was zur Folge hatte, dass es sich anfühlte, als ob unsere Fans fast schon mit uns auf der Bühne wären. Ich persönlich finde so eine Atmosphäre geil, denn man kriegt so viel besser die Energie des Publikums mit. Auf der anderen Seite fordert es uns als Musiker, noch besser zu spielen, da jeder kleinste Furzfehler zu hören ist. Die Markthalle ist soundtechnisch nicht einfach und ich empfehle den Fans immer den optimalen Sound "zu suchen", da dieser sich je nach Position und Höhe der Raumstufen immer wieder ändert. Nach "War Of Worlds" waren unsere Kräfte zu Ende, aber wir sehr glücklich mit dem Verlauf der Show! Peavy war völlig aus der Puste und als er seinen Bass abnehmen wollte, schlug er sich mit selbigem fast K.O. - aber Gott sei Dank sind außer einem glühenden Teufelshorn keine weiteren Schäden entstanden... Viele Besucher erzählten uns, dass sie das Support-Paket mit Seven und Jaded Heart sehr gut finden. Besonders bei Seven sind viele Exemplare der neuen CD "Seven Deadly Sins" und "Sevens", bei der Doro Pesch als Gastsängerin mit dabei ist, über den Ladentisch gegangen!  Allerdings klagten wir und die Stagecrew nach der Show über ein sonderbares Kratzen im Hals - mag es wohl an der neuen Nebelmaschine unseres Lichtmanns Jürgen liegen!?

 

 

11.03.10 - 9. Tourtag - day off

Unser Day Off, den wir ebenfalls in Hamburg verbrachten, war sehr ruhig und jeder entspannte auf seine Art und Weise: Peavy ging ins Eisenbahnmuseum, André ging mit Familie shoppen und ich war fast den gesamten Tag im Automobilmuseum, wo es eine richtig geniale Ausstellung zur Geschichte von "Le Mans" gab.

Die Nacht entpuppte sich allerdings als recht schwierig, da unsere Jungs einen internen Wettbewerb gestartet haben, wer am allerlautesten schnarchen kann. Der erste Platz ging mit großem Abstand an Peavy! Laut dem Dezibelmessgerät meines Gitarren-Techs Ingo betrug Peavys Schnarchlautstärke 70dB - das muss man erst mal schaffen! Als alle beim Frühstücken waren, habe ich dann doch noch versucht ein Auge zu zu bekommen.

 

12.03.10 - 10. Tourtag - Speyer - D

Speyer/Halle 101... Einer der geilsten Shows auf der letzten Tour, daher war die Vorfreude schon groß. Der Veranstalter und seine gesamte Familie sind große Fans von uns und waren super bemüht, es für uns so gemütlich wie möglich zu machen. Das Catering war toll und ließ keine Wünsche offen. Da es sich bei der Halle um eine Art alten Flugzeughangar handelt, war es beim Aufbau sehr kalt, was sich aber abends bei dem Konzert mit 700 Gästen sehr schnell legte. Unsere tschechischen Kollegen haben während unseres Soundchecks das Speyrer Technikmuseum besucht, und kamen begeistert zurück. Wolfgang Küpper von RockHard war bei uns zu Gast um mit uns ein Interview zu machen, aber auch einige kleinere Online-Magazine waren da, um uns zu interviewen. Einer von denen war besonders lustig: Ich glaube, es war "FFM Rock" oder so... Auf jeden Fall galt sein Interesse mehr dem mit Bier gefüllten Kühlschrank im Backstage als den Livedarbietungen abends! Gut abgefüllt kam er bereits bei uns im Backstage an und wollte vor Showbeginn prompt eine Setlist haben, woraufhin ich meinte, dass er, wenn er mit seinem Alkoholpegel den Abend überlebt, gerne eine Setlist bekommt. Wie erwartet ist von dem Konzert bei ihm nichts angekommen und er war nicht einmal mehr ansprechbar, als wir auf die Bühne gingen. SO ENTSTEHEN SEHR OFT LIVE REVIEWS - HAHAHAHA! Finde ich allerdings schade, denn es war für alle ein wirklich tolles Konzert. An diesem Tag hatten wir noch eine weitere Band namens Powerwolf mit an Bord gehabt, aber ich glaube, dass 4 Bands pro Abend etwas viel sind. Besonders die Jaded Heart Jungs haben perfekt die Masse angeheizt, und als wir auf die Bühne kamen, herrschte eine Bombenstimmung. Ich muss sagen, dass diese Show das bisher beste Konzert auf Tour war. All die angesammelte Tourmüdigkeit erledigte sich wie von selbst bei diesem wirklich genialen Publikum! Viele erzählten uns von dem ausgezeichneten Sound und dem tollen Licht - an dieser Stelle ein Dankeschön an unsere Crewjungs! Und als wir aus der Halle zum Bus nach der Show gingen, ließen wir jede Menge leergekaufte Merch-Kartons zurück ;)

 

 

13.03.10 - 11. Tourtag - Andernach - D

Andernach/JUZ Live Club... Und da dachten wir, dass stimmungstechnisch die Speyer-Show nicht zu toppen wäre... bis Andernach kam! ;) Was für ein geiler Abend, hier passt einfach alles. Wir haben wieder viele Gäste zu Besuch gehabt, u.a. Freunde und Familie, einige unserer ehemaligen Crewmitglieder, viele befreundete Bands wie z.B. Perzonal War u.v.m. Besonders freute ich mich auf meine Besucher vom Nürburgring: das gesamte Rennteam war angereist und hat mir den Entwurf für das Auto der kommenden Saison mitgebracht. Das halbe Auto wird im Stil des aktuellen RAGE - Covers gehalten werden. Also nicht vergessen: Schaut am 27. März beim ersten VLN-Rennen am Nürburgring vorbei! Auch Ringsprecher Lars Gutsche und seine Freundin schauten vorbei. Als Rennsportbegeisterte haben wir uns natürlich über Vettels Formel1-Poleposition beim Qualifying gefreut.

Heute hatte Mülli (Basser von Jaded Heart) Geburtstag und er bekam bei der Show der Jungs eine Sahnetorte ins Gesicht ;-) Und so begann unser Konzert auf einer leicht rutschigen Tortenbühne in der ausverkauften JUZ Halle.

Von RAGE war das bisher die definitiv beste gespielte Show. Wir hatten mindestens genau so viel Spaß auf der Bühne wie unsere Fans vor der Bühne. Wenn ich ins Publikum blickte, sah ich nur glückliche Gesichter, man fühlt sich wie inmitten seiner besten Kumpels und will gar nicht mehr von der Bühne herunter. Mittlerweile sind wir, auch was die neuen Songs angeht, sehr gut eingespielt und fangen langsam an, uns lustige Späßchen zwischendurch zu erlauben. Ich habe während meiner 11 Jahre bei RAGE noch nie erlebt, dass neues Songmaterial eine so fantastische Stimmung zaubern kann! Dann haben wir ja doch alles richtig gemacht ;) Allerdings war es heute auf der Bühne so heiß, dass André ständig die Stöcke vor Schwitzen aus den Händen geflutscht sind und ich nach der Show zum allerersten Mal die Sauerstoffflasche verwenden musste. Meinen Rennfahrerkollegen habe ich gesagt, dass mein Bühneneinsatz dem Einsatz beim 24h Rennen gleich kommt, was Fitness angeht ;-) Der Abend klang gemütlich beim Feiern von Müllis Geburtstag aus, und nach einem Stopp beim McDonald’s (3:30 Uhr), wo sich André und Ingo Unmassen von Junkfood einverleibt hatten, ging es in Richtung Colmar.

 

 

14.03.10 - 12. Tourtag - Colmar - F

Colmar/Grillen... Wir kamen an, haben ausgeladen, gespielt, wieder eingeladen und sind weiter gefahren...

 

15.03.10 - 13. Tourtag - Nürnberg - D

Nürnberg/Hirsch... Wir sind also heute in Nürnberg. Das Wetter ist richtig scheiße, es regnet, die Halle ist beim Get In kalt, so machten wir uns über Kaffee und Frühstück her. Im Prinzip ist der Hirsch eine sehr gute Konzerthalle, aber seit Jahren beschweren sich sämtliche Musiker über die Tatsache, dass es im Backstage weder Klo noch Duschen noch Waschbecken gibt! Nach vielen Jahren auf Tournee sind wir aber Gott sei Dank abgehärtet - wir müssen nicht pinkeln, sondern schwitzen auf der Bühne alles raus. Dafür ist der Bühnensound bei der heutigen Show einer der besten gewesen. Obwohl die Halle sehr gut gefüllt war, hielt sich unser Publikum etwas zurück und machte einen reservierten Eindruck auf uns - gerade im Vergleich zu Andernach... Ich habe mit André spontan ein paar richtig geile Breaks improvisiert. Im Pressegraben vor der Bühne habe ich u.a. Hans-Martin Issler vom RockHard und Manuel Liebler vom Metal Hammer entdeckt - wer weiß, dann können wir ja bald vielleicht ein Livebericht lesen. Ich hatte das Gefühl, dass unser Konzert allen gefallen hat, wir haben sehr viel Spaß On Stage gehabt. Auch der Veranstalter war sehr begeistert über die Tatsache, dass an einem Montag so viele Gäste im Hirsch waren!

Wir freuen uns schon auf morgen - Pratteln, Norberts legendäres Z7! Eine der besten Konzerthallen Europas! 

 

 

16.03.10 - 14. Tourtag - Pratteln - CH

Pratteln/Z 7... Wie immer werden wir sehr herzlich mit leckerem Essen (Danke Babs!) empfangen und können stressfrei in Ruhe die praktische Waschmaschine inklusive Trockner verwenden. Norbert, der Chef des Z7, ist nicht nur ein sehr guter Freund und einer der sympathischsten Veranstalter, die ich kenne, sondern auch ein Rallyefahrer. Immer wenn wir uns treffen, quatschen wir über Autos, Motorsport usw. und schauen uns Rennsportvideos an. Seit Jahren schon planen wir, mal gemeinsam bei der "Rallye 200" an den Start zu gehen, aber es hat zeitlich leider noch nie hingehauen, da wir beide sehr beschäftigt sind. Ich finde es toll, wie Norbert mit Headlinern und auch den Supportbands umgeht - und er mag keine Rockstars bei sich zu Gast haben (möglicherweise der Grund dafür, dass Manowar nicht im Z7 spielen :-)!) Der Soundcheck verläuft sehr schnell, dank der wirklich professionellen Lokalcrew und einer Hammer-Anlage. Das Konzert beginnt mit einer kleinen Panne von Honza, dem Seven Gitarristen, als sein Amp zu Beginn des Sets den Geist aufgegeben hatte. Aber die Jungs haben die Situation solide gemeistert und eine gute Show abgeliefert. Auch für Jaded Heart war endlich mal etwas mehr Platz auf der Bühne und die Jungs konnten sich mal austoben.

Ich weiß nicht so recht, wieso genau, aber Konzerte in Pratteln sind für mich immer etwas Besonderes. Nachdem Norbert uns nach unserem letzten Konzert im Z7 zum Hausinventar erklärte, indem er uns den Schlüssel für das Z7 gegeben hatte, war dieses Konzert erneut ein Highlight. Die Lichtshow kam bei der riesigen Bühne richtig gut zur Geltung, und dank dem guten Sound haben wir, denke ich, sehr gut gespielt. Und nach Empty Hollow, als ich sagte, dass wir dieses Orchesterstück ohne Orchester spielen, kam Norbert auf die Bühne und flüsterte mir ins Ohr, dass er uns anbiete, eine Orchestershow im Z7 zu veranstalten! Was für ein Hammer!!! Das wäre doch sehr passend, da ich nächstes Jahr eine Solotour mit Orchester plane, möchte ich im Anschluss ein paar Shows auch mit RAGE und Orchester machen - und auf der großen Bühne im Z7 ist das super umsetzbar. Ich werde sicherlich noch weitere Showmöglichkeiten suchen... Ab heute haben wir einen weiteren Helfer mit an Bord auf der Bühne: Eddy - der sehr gut ins Team passt. Bei der Zugabe hatten wir richtig Party auf der Bühne: Als Gastsänger für "Down" kam spontan unser Freund Schmier auf die Bühne, der heute Abend u.a. zu Gast war. Nach dem Konzert haben wir noch eine richtig schöne ausgiebige Party im Backstage gefeiert, was am nächsten Tag viele Kopfschmerzen verursachte. Man möchte einfach wie immer nicht vom Z7 weg, da es dort so freundschaftlich und gemütlich ist.

 

 

17.03.10 - 15. Tourtag - Milan - I

Milan/Magazzini Generali... Italien - Land des Chaos! Man weiß schon aus früheren Erfahrungen, dass man nie erwarten darf, dass hier alles nach Plan läuft! Allein schon der vorgeschriebene Soundcheck von 18:00-19:00 Uhr für 3 (drei!!!) Bands hat schon Kopfschmerzen vor Konzertbeginn verursacht. Aber es gibt wenige Headliner-Bands, die in nur 10 Minuten fertig mit dem Soundcheck sind und die restliche Zeit des Soundchecks den Supportbands überlassen!? Wie meistens kam das Essen wieder viel später als erwartet, man kann sich nicht einfach kurz vor Stagetime eine Pizza in den Magen werfen... Und Sorry an alle Magazine, mit denen Interviews geplant waren: Es lag an der chaotischen Organisation, dass wir sämtliche Interviews sehr kurz halten mussten. Aber den ganzen hektischen Stress in Italien nehme ich gerne in Kauf für dieses wirklich fantastische Publikum! Die Reaktionen klingen, als wären es 4 Mal so viele Menschen vor der Bühne – schade, dass es hier einen sehr frühen Curfew gibt und wir somit keine Möglichkeit hatten, etwas länger zu spielen. Und schon wieder hatten Peavy und ich auf der Bühne ein fettes Grinsen, als wir vorne standen am Rand der Bühne und beim Intro von "Empty Hollow" alle den Refrain mitsangen! Und die Setlist hat wieder einmal super funktioniert und sogar den Publikumswunsch "Soundchaser" konnten wir am Ende spielen und erfüllen.

Da das Konzert sehr früh vorbei war, hatten wir noch viel Zeit für unsere Fans, die mit uns quatschen und Fotos machen konnten. Wie wir erfuhren, gab es tatsächlich einen Fan, der extra aus Palermo eingeflogen kam, um uns zu sehen. Laurent, einer unserer französischen Fans, der uns knapp 1 Woche von Show zu Show hinterher gereist war und uns eine sehr große Hilfe war, hatte heute sein vorerst letztes RAGE-Konzert auf dieser Tour! Als die Karavane in Richtung Montpellier aufbrach, wo wir am Tag darauf unseren Travelday verbringen sollten, saßen wir noch beisammen und lasen in unserem Gästebuch, das während der Show immer am Merchstand ausliegt. Wir lasen u.a.. wie gut unseren Fans die neue Setlist gefällt, da wir nicht immer das Best-Of-Set spielen und viele neue Songs mit ins Programm genommen haben. Ich denke, für jeden Musiker gibt es nichts Besseres, als live neu komponierte Songs zu spielen, was z.B. Bands wie Motörhead, Saxon, Europe und viele andere sehr traurig macht, da deren Fans nur die alten Hits hören wollen. Am Ende des Hörbuchs von Lemmy, in dem er über die Geschichte der Band Motörhead erzählt, hört man genau heraus, wie traurig ihn das macht. Als Produzent macht es mich sehr glücklich, dass alle zufrieden mit dem von mir in Eigenregie produzierten Bonusmaterial auf der DVD sind und zum ersten Mal alle mit dem Sound unserer neuen CD zufrieden sind.

Ich finde es sehr schade, dass wir in Italien nur eine einzige Show spielen - Greets an unsere Booking Agency Dragon Productions: bitte mehr davon!

 

 

18.03.10 - 16. Tourtag - travel day

Und noch ein Travelday, an dem ich Angst um meine Anlage habe, da die gesamte Backline im Trailer dank der holprigen Straßen und der äußerst rasanten Fahrweise unserer Busfahrer sehr unter den Bodenwellen zu leiden hat und ich jedes mal beim Öffnen des Trailers bete, dass unsere Anlage noch an einem Stück ist. Dieses Rumgerappel ist für Röhrenverstärker und sämtliche anderen Hightech-Instrumente absolut nicht gut und auch André hat noch nie erlebt, dass er jeden Tag auf's neue, alle Schrauben an seinem Drumset nachziehen musste. Aber Gott sei dank halten meine ENGL Amps tapfer und ohne jegliches Problem durch!

 

19.03.10 - 17. Tourtag - Barcelona - E

Barcelona/Razz 2... Endlich schönes und warmes Wetter. Das allseits bekannte Parkproblem mit dem Tourbus auf der Hauptstraße veranlasste unsere Crew, die gesamte Anlage kurz nach unserer Ankunft hektisch durch den Innenhof mit einem Aufzug schnellstmöglich in den Club zu schaffen, während direkt am Bus der Straßenverkehr weiter lief. Bereits am Vormittag erwarteten uns ein paar Fans und Plektrensammler vor dem Club - es ist immer lustig, wenn man gerade aufgestanden ist und dich jemand voller Vorfreude in den Arm nimmt, um ein Foto mit dir zu machen, bevor man überhaupt erst mal Zähne putzen konnte. Im Razz war es so dunkel und frisch, dass ich mich kurz umentschloss, mit den Seven-Jungs an den Strand zu spazieren, um dort etwas zu relaxen. Im sonnigen Strandcafé konnten wir mit Meerblick an der frischen Luft frühstücken - so könnte jeder Tourtag beginnen ;) Peavy bekam heute Besuch von seiner Freundin und deren Tochter, die extra aus Deutschland angeflogen kamen, um gemeinsam einen Stadtrundgang zu machen. Auch Peavys Bekannter Fran kam schon vor Showstart vorbei und kaufte jede Menge Merch-Artikel für seinen Shop. Leider durften wir unser Merch nicht selbst verkaufen, da dies in Spanien lokale Mitarbeiter der Clubs übernehmen und zudem dafür noch hohe Kommissionen verlangen. Das Razz weckt viele Erinnerungen - gute und auch weniger gute. Ich werde nie den Stromausfall von vor 4 Jahren in diesem Club vergessen, als ich mit einer Taschenlampe am Gitarrenhals befestigt mein Gitarrensolo spielte und anschließend T-Shirts und Bier von der Bühne aus verteilte. Für Peavy weckt der Backstage-Bereich des Clubs eher negative Erinnerungen, da er während der "Speak Of The Dead Tour" 2006 in diesem Club Streit mit Terrana bekam und von ihm angespuckt worden war - damit war die Trennung unwiderruflich! Der Soundcheck lief ganz nach Plan und so stand einer guten Show nichts im Wege, und da wir inzwischen schon wissen, wie heiß unsere spanischen Fans sind, haben wir uns mit Vitaminen und viel, viel Wasser auf eine sauerstoffarme megageniale Show vorbereitet.

Seven absolvierten wieder eine solide Show, leider waren zu Beginn ihres Sets noch etwas zu wenige Leute da, was viele Opener erleben und abhärtet. Wir versuchen immer, die erste Band mindestens eine halbe Stunde nach Einlass spielen zu lassen, damit die Fans Zeit zum Reinkommen haben. Jaded Heart hatten erzählt, dass sie während der Tour mit Primal Fear einmal schon vor(!) Einlass der Fans beginnen mussten zu spielen. Ich finde das sehr unverständlich, aber ich erinnere mich da immer an meine Zeit mit Mind Odyssey, wie wir Savatage supportet hatten und während unseres Sets, das meist gleichzeitig mit dem Einlass stattfand, meine Boxen im Gang stehen mussten und wir so auch vor fast leeren Hallen spielen mussten. Es ist für Musiker nicht gerade einfach, draußen stehende Fans zu überzeugen. Speziell in Spanien würde ich die Shows später ansetzen, da ist halb acht an einem Samstag vielleicht doch etwas zu früh!?

Dann hieß es RING FREI FÜR RAGE! In der Halle herrschte schon eine abartige Hitze und die "Oleee Olee Olee"-Chöre waren ohrenbetäubend laut, als wir auf die Bühne kamen. Schon nach dem ersten Song waren wir pitschnass. Ich musste öfters meine Saiten mit einem Handtuch abtrocknen, damit meine Finger bei den Bendings nicht von den Saiten rutschten, aber die Show lief reibungslos und zu kurz für uns alle! Was für ein Hammer-Publikum! Man möchte sich nach jedem Song am liebsten bei jedem einzeln bedanken. Warum müssen die schönsten Momente nur immer so schnell vorbei sein!? Leider ist, so wie auch in Italien, direkt nach dem Konzert Disco angesagt, was heißt, dass es einen strikten Curfew gibt. Somit musste unsere Crew wieder schnell die gesamte Anlage zum Aufzug, durch den Innenhof wieder zur Straße und zurück in den Trailer schleppen und laden. Bis kurz vor Abfahrt nahmen wir uns Zeit für unsere Fans, die noch warteten, um mit ihnen Fotos zu machen und Autogramme zu geben. Dann ging es weiter in Richtung Bilbaooooooooo...

 

 

20.03.10 - 18. Tourtag - Bilbao - E

Bilbao/Rockstar Live... Die letzte Show unserer Europatournee, die diesmal etwas kürzer ausfiel als die letzte. Das lag daran, dass wir in der Zwischenzeit sehr viele Einzelshows gespielt hatten. Gerne hätten wir noch viel mehr Shows gespielt, aber das liegt nicht an uns, sondern an unserer Booking Agentur und den lokalen Promotern. Wir werden dieses Jahr sicherlich noch einige Einzelshows nachholen. Eine etwas längere Spielzeit wäre auch besser, da die ständigen Curfews immer unser Set kürzen. Wir müssen oft auf die Uhr gucken und ein paar Songs aus der Setlist rausschmeißen, da es zeitlich sonst nicht gepasst hätte. Zum Ende der Tour sind wir richtig gut eingespielt und funktionierten als Trio wie ein Panzer, der alle eventuell auftauchenden Monitorprobleme platt walzt. Da die letzte Show immer für jede Menge Verarschungen und Späßchen bekannt ist, herrschte den gesamten Tag über eine Stimmung von Heimlichkeit unter den Bands. Der Einzige, der in keiner guten Stimmung anzutreffen war, war Peavy, der sich mit einem unserer Busfahrer angelegt hatte und diesen am liebsten erwürgt hätte. Mit der Welter-Busfirma haben wir wirklich nicht viel Glück gehabt: Der Bus an sich lässt schon sehr viele Wünsche offen, und dazu kommt, dass der einzige "Rockstar", der auf dieser Tour mitreist - der Busfahrer war! Da kann ich Peavy schon verstehen. Und so planen André und ich viele lustige Überraschungen für unsere Supportbands.

Seven betraten die Bühne - etwas ängstlich vor dem, was auf die zukommen mag, und begannen ihre Show. Lukas, der Drummer war etwas verwirrt, da sein gesamtes Drumkit mit Gaffa-Tape zugeklebt war, aber solche Späßchen kann man nur mit Profis machen, die flexibel sind. Bei Honza waren sämtliche Pedale unter einem schwarzen Handtuch versteckt und im Dunkeln bekam er einen kurzen Schreck, wohin denn seine Pedale verschwunden sind. Der Instrumentalsong begann plötzlich mit dem Hellgirl-Babygeschrei und Honza stieg lachend mit seinen Gitarrensounds darauf ein. Das Babygeschrei zog sich durch den gesamten Song und alle hinter der Bühne haben sich totgelacht. Ich bin versteckt unter der Kapuzenjacke beim Gitarrensolo auf die Bühne geschlichen und habe auf dem Keyboard von Jaded Heart ein kurzes Solo gespielt. Bei der darauffolgenden Nummer ließen wir per Sample unsere RAGE-Opener-Explosion mitten im Song so laut auf der Bühne knallen, dass die Jungs vor Schreck ganz weiß im Gesicht wurden und sich fragten, was da eben explodiert ist. Plötzlich, in einem weiteren Song, kommt André maskiert von hinten auf die Bühne geschlichen und klebt Tomas, dem Bassisten, die Saiten während des Spielens mit Tape zu und zu guter Letzt bekam Lukas, der Drummer noch eine gehörige Portion Rasierschaum auf den Kopf geklatscht, während ich zeitgleich bei allen anderen Eiswürfel in die T-Shirts steckte ;) Seven waren versorgt... Für die Jungs war das das erste Mal, sie kannten das noch nicht und waren froh, dass nicht noch mehr passiert ist, während sie spielten. So wie damals mit den FreaKozaks habe ich mit Seven eine sehr gute Band entdeckt und ich werde auch in Zukunft weiterhin Newcomerbands fördern und ihnen eine Möglichkeit bieten, als Supportband auf unseren Tourneen mit dabei zu sein. Mit Seven habe ich auf jeden Fall noch weitere Pläne, was ihre neue CD angeht.

Umbaupause zu Jaded Heart. Auffällig genau prüften Jaded Heart jedes einzelne Gewinde, jede Einstellung, jedes Detail, bevor sie die Show begannen. Intro - alles wie gewohnt... Unerwartet taucht André auf der Bühne auf, befestigt mit ernster Miene Schilder an den Mikroständern mit Aufschriften wie "I wanna be a girl", "I was a girl", "I played for D.Hasselhoff", "Wanna Kiss?" usw. Das erste Riff beginnt, plötzlich beim Gitarrensolo stand Jaded Heart Gitarrist Peter völlig im Dunkeln und konnte nichts mehr auf seinem Griffbrett sehen. Der Dunkelheit folgten ein Stroboskop-Gewitter und sonderbare Discokringel, während er sich tapfer durch das erste Gitarrensolo kämpfte. Beim 2. Song selbes Spiel, nur dass sonderbare extra schief mitgesungene Chöre auf den Monitoren on Stage über Talk Back zu hören waren. Beim Gitarrensolo überraschte ich Peter, indem ich heimlich versteckt, plötzlich ein wahnsinniges Vollgas-Shredder-Gitarrensolo über die PA und Monitoranlage spielte, wo normalerweise eine sehr ruhige Melodie gekommen wäre. Mitten im 3. Song betraten André und ich als eifrige Putzkolonne die Bühne und begannen zwischen den Jungs zu fegen und Staub zu wischen, Peters Midi-Board mit einem Handtuch abzukleben um dann wieder von der Bühne zu gehen. Mitten in einem weiteren Song fuhr plötzlich mein Rennwagensound (vom Song Unity) über die Anlage und jagte den Jungs einen ordentlichen Schrecken ein, genauso wie die zahlreichen Explosionssounds ;) Bei einem Song begann André im Gegenrhythmus zu Axels Drumspiel, an seinem unter dem Tuch versteckten RAGE-Kit zu spielen und hoffte, ihn somit aus dem Takt bringen zu können. Zur Krönung wurde gen Ende des Sets das "Jaded Fart"-Backdrop gehisst und Lukas und André begannen, Axels Drumkit bis auf HiHat, Snare und Bassdrum abzubauen. Am Ende hatte Axel ein einziges Becken in der Hand gehabt, um die letzten Akzente zu spielen ;)

Da Peavy, André und ich uns bis dahin den ganzen Abend schon ziemlich kaputt gelacht hatten hinter der Bühne, waren wir schon gut aufgewärmt für unsere Show. Leider gab es wegen eines Fehlers der lokalen Crew eine 15 minütige Verspätung. Aber als es dann losging, herrschte bereits ab dem ersten Song an eine super Stimmung. Bei unserer Bandvorstellung kam plötzlich mein Doppelgänger auf die Bühne, den ich erst gar nicht bemerkte, und dann kamen jede Menge "Peavy Wagners" in Form von Jaded Heart- und Seven-Musikern mit angeklebten Peavy-Bärten aus Gaffa-Tape auf die Bühne. Bei "Straight To Hell" bekamen wir auf einmal Besuch von den Seven-Jungs als Kellner verkleidet, wie sie uns Getränke und Snacks reichten. Zum allerletzten Song "Highway To Hell" kamen alle auf die Bühne: 5 Gitarren, 3 Bässe, 3 Schlagzeuger und noch 3 Sänger auf einer Bühne - das war voll! Mit tausend Soli und Mitsingparts gingen der Song und der Abend und somit unsere "Strings To A Web" Europatournee langsam zu Ende! Die Aftershow Party war lang und keiner wollte sich so richtig verabschieden.

Am nächsten Tag hatten wir eine superlange Heimfahrt und mussten mitten in der Nacht todmüde im Proberaum in Hamm ausladen, wo sich André unglücklicherweise beim Sprung aus dem Trailer das Fußgelenk verknickte - zwar sehr schmerzhaft, was aber nicht die Planung unserer anstehenden Shows gefährdet. An dieser Stelle gute Besserung an André!

 

 

21.03.10 - Back Home

Jetzt ein paar Tage zu Hause verbringen, ist sehr schön, allerdings ist die Pause nicht sehr lange, da es bereits am Donnerstag schon auf die Frankfurter Musikmesse geht. Nach diesen vielen Konzerten auf dieser Tour kristallisiert sich nun eine für diese Tour am besten funktionierende Setlist heraus:

01-The Edge Of Darkness
02-Hunter And Prey
03-Into The Light
04-The Beggar's Last Dime
05-Drop Dead!
06-Empty Hollow (without Fatal Grace)
07-Saviour Of The Dead
08-Straight To Hell
09-Higher Than The Sky
10-War Of Worlds
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11-Set This World On Fire
12-Down

Alle Versuche, ältere Songs mit einzubauen, ließen die Stimmung abflachen. Das heißt aber nicht, dass wir zukünftig keine alten Songs mehr spielen werden, sondern wir werden auch in Zukunft immer wieder unsere Setlist ändern und ältere Songs mit ins Programm nehmen. Dass bei dieser Tour die neuen Songs so funktionieren, hatten wir zwar gehofft, aber nicht erwartet. Zeigt aber auch, dass RAGE sich stetig weiterentwickeln und hoffentlich ist die beste Platte noch nicht geschrieben.

Dieser Tour finde ich, war die angenehmste und entspannteste Tour seit Jahren, da das Paket mit den beiden Supportbands einfach super geklappt hat. Die Mitglieder beider Bands sind sehr nette Menschen und zudem noch super Musiker. Zusammen mit unseren Crewleuten und den 3 Bands waren wir wie eine große 22-köpfige Camperfamilie;) Ich möchte mich bei unserer Crew für den Superjob, den sie jeden Abend gemacht haben, bedanken. Es blieben wirklich keine Wünsche offen. Ingo und Eddie, der u.a. auch Bands wie Arch Enemy, Destruction, Edguy, Doro etc. macht, haben sich perfekt in unsere Familie eingelebt. So eine Ordnung auf der Bühne, wie Ingo sie uns verschafft hat, haben wir noch nie gehabt! Auch ein großes Kompliment an Gerd und Jürgen, unsere zwei am FOH und Lichtpult für den super Job! Besten Dank auch an unseren Webmaster Joe und Arkadij, die den Tourreport zusammen mit super Live-Fotos ins Netz gebracht haben.

Wir freuen uns auf die Promotour durch Russland und die anschließenden Konzerte in Japan und danken unseren Fans für die unglaubliche Unterstützung!

YOU ROCK!

Yours Victor

Photos by: Savafan, Bretislav Stasta, Ludek Ovesny, Joe Derschka, Elke Brassel, Claudia Kubowski, Dietmar Schäfer, T. Rex